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ANDERE LÄNDER, ANDERE SITTEN — SO ISST MAN IM AUSLAND2009-07-24
Bei Ferien in einem fremden Land ist es sicher von Nutzen, zu wissen, welche Tisch- und Essgewohnheiten dort üblich sind. Wer sich im eigenen Land zu benehmen weiss, wird auch im Ausland so schnell nichts falsch machen.
Dennoch hat jedes Land seine eigenen Tischsitten. Wer sie kennt und beachtet, outet sich nicht gleich als Tourist oder Teutone. Und die Gefahr, dass er ins Fettnäpfchen tritt, ist geringer. Deshalb verraten wir Ihnen, was Sie unbedingt beachten sollten, wenn Sie ein Restaurant besuchen oder privat zum Essen eingeladen sind.
Grossbritannien:
Das Wichtigste in Grossbritannien: Schotten sind Schotten, Iren sind Iren. Engländer wohnen im südlichen Teil und die Bewohner von Wales sind Waliser.
Was über allem schwebt, personifiziert in der Königin, nennt sich United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland, abgekürzt U.K.
Die Bewohner heissen Briten und nicht Engländer. Bezeichnet man einen Briten, der kein Engländer ist, als Engländer, so wird dieser sicherlich sehr empfindlich reagieren. Man sollte dies deshalb vermeiden.
Der Umgang mit dem Besteck ist leicht irritierend: Das komplette Fleisch wird als erstes auf dem Teller geschnitten. Dann wird nur noch mit der Gabel in der rechten Hand gegessen, während die Linke auf dem Oberschenkel liegt.
Und: Die Gabel immer mit den Zinken nach unten gedreht benutzen. Ausserdem beachten: Man nimmt sich nichts selbst, alles wird gereicht. Ein Teller mit gekreuztem Besteck wird abgeräumt. Sie sollten dort niemals einen „pudding“ verschmähen, denn so heissen sämtliche Desserts.
Ganz wichtig: Engländer lieben Hunde, deshalb ist es z.B. bei privaten Einladungen üblich, dass der Hund in der Nähe des Tisches sitzt. Das sollte man respektieren.
Frankreich:
In Frankreich wird zum Essen reichlich Wein getrunken, doch nach dem Essen sollte man damit aufhören. Weingesellige Gemütlichkeit wird schnell als Alkoholismus aufgefasst und gilt als proletenhaft.
Es ist selbstverständlich, im Restaurant mehrere Gänge zu bestellen. Auf gar keinen Fall sollten dies zwei verschiedene Vorspeisen sein, so wie es oft figurbewusste Ausländer machen.
Für Käse eine Gabel suchen, Kenner essen ihn auf einem Stück Brot.
Gut zu wissen: Die Franzosen erwarten auch von Ausländern, dass sie Französisch sprechen, da sie ihre Sprache für die vollkommenste halten. Zeigen Sie Ihren guten Willen.
Italien:
In Italien sollte man vor allem den Unterschied zwischen einer Trattoria und einem feinen Ristorante kennen. In einem Ristorante, in dem hochwertige, geschmackvolle Kleidung gern gesehen ist, sollte man sich unbedingt hüten, lediglich eine Vorspeise und einen Pasta-Gang zu bestellen. Generell sind Pasta und Risotto in Italien kein Hauptgericht und kommen in kleineren Portionen auf den Tisch.
Den Salat muss man sich in den meistens selbst zubereiten. Wein ist zu jeder Mahlzeit selbstverständlich, wird aber nicht in allzu grossen Mengen genossen.
Fast überall muss man „pane e coperto“ einrechnen, das ist der Grundpreis für Brot und Gedeck. Auffallend: In Restaurants werden meist erst der Mann, dann die Kinder und zuletzt die Frau bedient. Der Mann gilt dort immer noch als Oberhaupt der Familie und die Kinder haben ohnehin einen ganz besonderen Stellenwert. Sie werden als Persönlichkeiten behandelt, die stets auf Verständnis und Nachsicht hoffen dürfen.
Und so isst man die Spaghetti perfekt: Man steckt die Gabel in den Spaghettiberg, zieht mit dem Gabelzinken ein paar davon heraus und dreht sie am Stiel, mehr oder weniger schnell. Die Spitze der Gabel kreist am Tellerrand, den man vorher etwas frei gemacht hat und nicht etwa in der Mulde des Löffels. Haben sich die Spaghetti schliesslich um die Gabelzinken verfestigt, führt man sie entschlossen und ohne Zögern zum Mund, sonst lösen sie sich wieder. Wenn noch etwas herunterhängt, was leicht vorkommt, werden sie einfach abgebissen.
Absolut tabu: Die Spaghetti schneiden!
Spanien:
Freundliche Aufforderungen, zum Essen zu bleiben oder grosse Gebärden, wie „Dies ist Ihr Zuhause“ sind nicht wörtlich gemeint. Jeder Spanier wäre entsetzt, wenn man darauf einginge. Trotzdem sind sie sehr gastfreundlich, jedenfalls im Restaurant und in der Bar. Das Zuhause aber wird abgeschirmt.
Die Spanier fangen meist erst gegen 22 Uhr mit dem eigentlichen Essen an. Ist man zum Essen eingeladen, wäre es daher sehr ungeschickt, um 20 Uhr beim Aperitif in der Tapas-Bar bereits viele kleine Häppchen zu essen. Schliesslich folgt darauf meist noch ein mehrgängiges Menü.
Übrigens: Papierservietten und Zahnstocher wirft man am Tapas-Tresen einfach auf den Boden.
Ganz wichtig: Spanier haben einen anderen Zeitrhythmus. Verabredungen werden in der Regel nicht genau eingehalten. Deshalb mindestens eine viertel -, besser eine halbe Stunde später erscheinen. Ausnahme: Ein Stierkampf beginnt immer pünktlich!
Die mittäglich Siesta, von 14 bis 16 Uhr, besser noch von 13 bis 17 Uhr, unbedingt einhalten, da Störungen jetzt als besonders unhöflich gelten.
Was Spanier übrigens überhaupt nicht schätzen, ist unsachliche Kritik am oder abfällige Bemerkungen über den Stierkampf.
Türkei und andere islamische Länder:
In der Türkei, vor allem ausserhalb der touristischen Zentren, ist nackte Haut in der Öffentlichkeit nicht erwünscht. Damen in knappen und kurzen Kleidungstücken ernten dort meist sehr strenge Blicke.
Bei einem Essen mit Einheimischen sollten es Urlauber auf jeden Fall vermeiden, über Religion und Politik zu sprechen, denn dies könnte zu einer heftigen Auseinandersetzung führen.
Alkohol und Schweinefleisch sind offiziell tabu. Bei privaten Einladungen wird allerdings das Alkoholverbot oft etwas lockerer genommen. Man sollte als Gast jedoch niemals Alkohol anbieten, als Gastgeschenk mitbringen oder beim Essen auf eine Falsche Wein bestehen.
Im Fastenmonat Ramadan dürfen Gläubige von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder essen, noch trinken. Als Gast sollte man diese Glaubensregeln respektieren und sich nicht vor aller Augen profanen Genüssen hingeben.
Ganz wichtig ist, dass man in allen islamischen Ländern mit der rechten Hand isst. Die linke gilt als unrein und bleibt deshalb unter dem Tisch versteckt.
Wundern Sie sich nicht, über genüssliches Schmatzen oder Aufstossen an den Nebentischen. Das ist in den islamischen Ländern nicht verpönt. Dennoch muss man solch fremd anmutende Sitten nicht unbedingt nachmachen.
China, Südkorea und andere asiatische Länder:
In Asien tappt man jenseits der grossen Hotelrestaurants sehr leicht ins Fettnäpfchen. So ist es beispielsweise üblich, dass der Gastgeber von einer Platte voller fremdartiger Köstlichkeiten die besten Stücke mit seinem Essstäbchen aufnimmt und dem Gast vorlegt. Tapfer sein! Ganz gleich, was es ist: essen und loben. Es gibt notfalls einen Trick: Man kann mit dem Gastgeber oder anderen Gästen teilen, nach dem Motto „Dessen bin ich allein nicht würdig!“ Aber ums Probieren kommt man nicht herum.
Das Essen mit Stäbchen sollte man am besten zu Hause schon mal üben. Wer mit den Fingern nicht ganz und gar ungeschickt ist, lernt es schnell. Zuerst spürt man allerdings eine Art Muskelverkrampfung.
Auf gar keinen Fall sollte der Asien-Reisende wild mit den Stäbchen gestikulieren oder auf jemanden zu zeigen. Und niemals darf man sie bei Essenspausen in die Reisschale stecken, denn das ist ein Beerdigungsritual!
In China isst man Reis, indem man sich die Schale unters Kinn hält und sich ihn mit dem Stäbchen in den Mund schaufelt. Höfliche Gäste essen ihn bis zum letzten Körnchen auf.
Suppen schlürfen Chinesen entweder mit einem Porzellanlöffel oder direkt aus der Schale. Kleine Knochen, sowie alles andere Ungeniessbare, werden manchmal ganz selbstverständlich auf den Tisch gespuckt. Unappetitlich finden Asiaten hingegen lautstarkes Niesen und Naseputzen bei Tisch.
Japan:
In Japan sitzt man zum Essen meist auf dem Boden. Wer sich seitlich hinkniet, kann kaum etwas falsch machen. Das aufrechte, meist schmerzhafte Knien ist nur bei feierlichen Anlässen, wie der japanischen Teezeremonie, üblich.
Nicht nur bei der Teezeremonie, auch ihn Restaurants, ohne englischsprachige Karte, ist der Europäer aufgeschmissen. Doch Gott sei Dank gibt es meistens Wachsnachbildungen der Gerichte in Schaukästen. So kann man zum Bestellen praktischerweise auf das gewünschte Essen zeigen.
In Restaurants mit Tatami-Matten zieht man am Eingang stets die Schuhe aus. Meist bekommen die Gäste kostenlos grünen Tee oder Wasser und ein warmes, feuchtes Handtuch zum Händesäubern.
Oft kommen alle Speisen gleichzeitig auf den Tisch. Japaner erwarten, dass man aus Höflichkeit möglichst viel davon probiert. Beim Sushi können Japanreisende dann zeigen, was sie in den heimischen Sushi-Bars gelernt haben.
Ganz wichtig: Die klassischen Nigiri Sushi mit der Fischseite nach unten in die Sojasauce dippen. Übergrosse Futo Maki gekonnt abbeissen und Wusubi vorsichtig dosieren.
Und wenn doch mal etwas daneben gehen sollte: Das Malheur mit einem dezenten Lächeln überspielen.
USA:
Die Amerikaner haben eine ganz spezielle Art, mit Messer und Gabel zu essen. Sie essen nach der sogenannten „Zick-Tack-Methode“. Das bedeutet: Sie schneiden ganz normal, etwa vom Steak, ein kleines Stückchen ab und legen dann das Messer auf dem Teller ab. Jetzt nehmen sie die Gabel in die rechte Hand und essen mit rechts. Die linke Hand rutscht dabei auf den Schoss. Beilagen, die man nicht schneiden muss, werden nur mit der Gabel gegessen und nicht mit dem Messer auf die Gabel geschoben. Es ist empfehlenswert die „Zick-Zack-Methode“ in den USA nachzuahmen.
Äusserst unbeliebt macht man sich durch geräuschvolles Naseputzen bei Tisch. Ganz verpönt ist Rauchen, was in fast allen Restaurants der Vereinigten Staaten, wenn überhaupt, nur an der Bar erlaubt ist.
Nicht üblich ist ausserdem, dass man selbst den Tisch im Restaurant einnimmt.
Richtig: Beim Empfang sagen, was für einen Tisch und für wie viele Personen man gern hätte und warten, bis man hingeführt wird.
Ausserdem sollte man nach dem Essen nicht lange sitzen bleiben. Für die Amerikaner ist es unüblich, dass man den ganzen Abend mit Essen im Restaurant verbringt. Sie gehen entweder am frühen Abend, bevor sie ins Theater, in die Oper oder ins Kino gehen, zum Essen oder hinterher. Deshalb werden die Tische meist mehrmals am Abend besetzt und die nächsten Gäste warten schon. Das kann auch noch nach zehn Uhr der Fall sein.
Zu guter Letzt: Eine kleine Auswahl der wichtigsten Tisch- und Essitten, die für die meisten Länder dieser Welt gelten und auch unbedingt eingehalten werden sollten:
- Nach dem Dresscode erkundigen: In vielen Spitzenrestaurants sind Sakko und Krawatte oftmals erbeten.
- Reservierungen einhalten: Es gibt Restaurants, die sich bei der telefonischen Reservierung die Kreditkartennummer notieren und bei Nichterscheinen eine Gebühr erheben.
- Genügend Trinkgeld geben: Üblich sind in Europa 5 bis 10 % des Rechnungsbetrages, in südlichen Ländern eher mehr und in den USA sogar 15 bis 20 %.
- Lautstärkepegel niedrig halten
- Bei privaten Einladungen: Sich gegenseitig Getränke nachschenken ist üblich, aber nie sich selbst. Immer einen Rest im Glas behalten.
- Die Serviette sollte man nach dem Essen nicht auf den Teller legen. Sie gehört gefaltet links neben den Teller.
- Fisch, ausser Rollmops, Matjes oder Räucherfisch, zerteilt man nie mit dem Messer.
- Fischgräten, Knöchelchen von Geflügel oder Knorpel nimmt man nicht mit der Hand aus dem Mund. Richtig: Man schiebt sie mit der Zunge dezent auf die Gabel und deponiert sie auf dem Tellerrand.
- Absolut tabu: Im Restaurant oder bei gesellschaftlichen Anlässen mit dem Handy telefonieren.
- Kaugummi nicht in den Aschenbecher legen.
- Nicht am Tisch nachschminken
Ilona E. Schröder
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