Zum Inhalt springen

Gedankenchaos inklusive – reif für eine Therapie?

Ein kleiner Selbsttest für den ganz normalen Wahnsinn

Der Moment, in dem die Frage auftaucht

Bin ich reif für eine Therapie? Es gibt diese Momente im Leben, in denen man sich fragt: Ist das noch normal oder sollte ich vielleicht doch mal mit jemandem sprechen, der dafür bezahlt wird? Genau hier beginnt die grosse Frage: Bin ich reif für eine Therapie?

Keine Sorge. Dieses Gedankenchaos kennen mehr Menschen, als man denkt. Meistens passiert es in völlig alltäglichen Situationen. Zum Beispiel, wenn man zum dritten Mal am selben Tag den Kühlschrank öffnet, obwohl man genau weiss, dass nichts Neues darin aufgetaucht ist. Oder wenn man eine E-Mail fünfmal liest, bevor man sie abschickt – und sie danach trotzdem noch einmal im Postausgang kontrolliert.

Das berühmte Gedankenkarussell

Ein erstes mögliches Anzeichen für „Therapie-Reife“ ist übrigens das berühmte Gedankenkarussell. Sie kennen das: Man liegt nachts im Bett und denkt plötzlich über eine Unterhaltung nach, die vor acht Jahren stattgefunden hat. Natürlich fällt einem genau in diesem Moment die perfekte Antwort ein, die man damals hätte sagen sollen.

Das Gehirn scheint in solchen Momenten eine besondere Fähigkeit zu haben: Es erinnert sich zuverlässig an alles Peinliche, aber niemals daran, wo man den Autoschlüssel hingelegt hat.

Gespräche mit Gegenständen

Ein weiteres Symptom könnte sein, dass man mit Gegenständen diskutiert. Etwa mit dem Drucker. Oder mit dem WLAN-Router. Besonders fortgeschrittene Fälle führen auch Gespräche mit ihrem Auto, wenn es nicht anspringt. Wobei man fairerweise sagen muss: In vielen Fällen hat das Auto angefangen.

Die Kunst des Überanalysierens

Sehr beliebt ist auch die Kategorie „Ich überanalysiere alles“. Beispiel: Eine Person antwortet auf eine Nachricht nur mit „Ok“. Sofort beginnen die Gedanken: Warum nur Ok? War das ein genervtes Ok? Ein passiv-aggressives Ok? Oder ein Ok mit versteckter Botschaft?

Nach ungefähr zwanzig Minuten Analyse kommt man zu dem Schluss, dass wahrscheinlich die gesamte Freundschaft vorbei ist. Am nächsten Tag stellt sich heraus: Die andere Person war einfach gerade im Bus.

Vielleicht einfach ein Service fürs Gehirn

Aber keine Sorge. Therapie-Reife bedeutet nicht automatisch, dass etwas „nicht stimmt“. Manchmal bedeutet es einfach, dass das eigene Gehirn ein bisschen zu kreativ ist. Es produziert Szenarien, Interpretationen und innere Dialoge, die selbst ein Drehbuchautor kaum besser schreiben könnte.

Vielleicht ist Therapie also weniger ein Notfallprogramm und mehr so etwas wie ein mentaler Service-Termin. So wie beim Auto: Man wartet nicht unbedingt, bis der Motor explodiert. Man schaut einfach gelegentlich vorbei und lässt jemanden unter die Motorhaube schauen.

Die entscheidende Frage

Und ganz ehrlich: Wer von uns hat nicht mindestens eine kleine Macke? Der eine spricht mit Pflanzen, der andere googelt jedes kleine Ziehen im Körper und ist fünf Minuten später überzeugt, eine seltene Tropenkrankheit zu haben. Die entscheidende Frage ist also vielleicht gar nicht: Bin ich reif für eine Therapie? Sondern eher: Wie viele meiner Freunde wären eigentlich auch Kandidaten?

Falls Sie beim Lesen dieses Textes mehr als dreimal zustimmend genickt haben, habe ich eine gute Nachricht: Sie sind vollkommen normal. Oder zumindest genauso normal wie der Rest von uns. Und das ist doch trotz allem beruhigend. Schauen Sie bei Aurarium rein – auch unsere Berater sprechen manchmal mit ihrem Auto.

Schreibe einen Kommentar